Christliche Friedensbotschaft, Versöhnung und Toleranz

Posted in Other | 18-Dec-05 | Author: Hubertus Hoffmann

Pope Benedict XVI waves to the crowd from the central balcony of St. Peter's Basilica.

Nur echte zwischenmenschliche Versöhnungspolitik kann dauerhaft wahren Frieden stiften und das Fundament für ewigen Frieden zwischen ehemaligen Gegnern schaffen.

Machtpolitik ist lediglich die manchmal leider notwendige Ergänzung dieser Friedenspolitik, wenn sie so mithilft, die Menschenrechte und die Menschenwürde abzusichern und die Kräfte des Bösen einzudämmen.

Reine Machtpolitik für sich reicht nie aus: Sie greift zu kurz und benötigt dringend ein "denkendes Herz" und einen "liebenden Verstand", damit sie den Menschen in seinem innersten Wesen zum Frieden mit dem Gegner in eine bessere friedlichere Zukunft führt.

Wir müssen die Stimme dieser heute besonders wichtigen christlichen Friedens-Kernbotschaft deutlich verstärken und dafür aktiv in allen Ländern, Kulturen und Religionen eintreten. Nur so werden wir die tief liegenden Wurzeln von Terrorismus, Krieg und Vertreibung beseitigen und wahren Frieden mit weniger Hass und weniger Gewalt schaffen können.

Christliche Friedenspolitik bedeutet:

Wir müssen unseren Gegner als Mitmenschen mit seiner eigenen Würde und als unseren Nächsten sehen und auf ihn aktiv mit offenem Herzen zugehen mit unserem erkennbaren echten Willen zur Versöhnung und einem Neuanfang.

Wahrer Frieden zwischen den Menschen kann nur durch eine aktive Versöhnungspolitik entstehen, die den über viele Jahre verkrusteten Panzer der Ideologie sprengt, langsam traditionelle Vorurteile abschmilzt und den tragischen Feindseligkeiten endlich ein Ende setzt.

Auch die einfache Koexistenz nebeneinander ohne Freundlichkeit und Mitmenschlichkeit reicht hierfür nicht aus, sondern sollte durch ein freundliches aktives Miteinander ersetzt werden.

Wir müssen die menschliche Seele aus einem tiefen Loch feindlichen Denkens herausholen, sie heilen und befreien.

Vorurteile und feindliche Denkschemata müssen durchbrochen werden.

Wir müssen vergeben und verzeihen. Nur so erreichen wir Gerechtigkeit und Frieden.

Gerechtigkeit braucht eine Seele und ein Herz. Wir müssen nicht vergessen, was geschehen ist, aber verzeihen und einen neuen Ansatz friedlichen Miteinanders suchen. So befreien wir uns auch selbst, indem wir dem Kreislauf von Hass, Feindschaft und Krieg endlich ein Ende setzen.

Geben wir dem Gegner von einst eine Chance in sich selbst Kräfte zu entdecken, die ihm bisher noch gar nicht bewußt waren, damit er von sich heraus ein besserer und friedlicherer Mitmensch wird, vom Feind zum Freund über sich selbst hinaus wächst.

Wir sollten den anderen nicht nur tolerieren, sondern ihn mit allen seinen Unterschieden akzeptieren.

In unserer bunten Welt mit 6,5 Mrd Individuen, mit sehr unterschiedlichen Ideen und Kulturen müssen wir mit denkendem Herzen lernen wechselseitige Toleranz zu üben.

Niemand ist ein Feind nur weil er anders ist.

Die Eliten in allen Ländern dieser Erde müssen Toleranz in ihren Gesellschaften propagieren.

Wir brauchen ein neues über die eigenen Grenzen und Kulturen weit hinausreichendes globales Verantwortungssystem für mehr Freiheit und Frieden, Mitmenschlichkeit und Respekt.

Jeder Mensch benötigt Toleranz in unserem Weltdorf.

Als Christen, Moslems, Juden, Buddisten oder Hindus müssen wir Haß und Ideologie hinter uns lassen und gemeinsam unserer Welt mehr Toleranz und Versöhnung und damit Liebenswürdigkeit geben.

Wir können hierzu aus den Lehren von Augustinus und den Weisheiten von Thomas von Aquin und Erasmus von Rotterdam zur tolerantia pacifica und der nie leichten Toleranzgeschichte Europas lernen.

Durch Großzügigkeit und Hilfe sollten wir die Herzen der Gegner von gestern heute öffnen.

Patriotismus und auch der tiefgläubige Islam sind Produkte der Liebe und nicht des Hasses.

Purer Nationalismus und Totalitarismus in Politik und Religion sind jedoch unmenschlich und führen immer zu Hass, Aggression und letztlich zum Krieg nach innen und nach außen.

Ethnische Säuberungen und Vertreibungen sind hieraus entstehende Sünden gegen die Mitmenschlichkeit, wie immer sie auch begründet werden. Die Menschen haben ein Recht auf ihre Heimat. Vertreibung entwurzelt sie.

Auch der Terrorismus ist eine Frucht totalitärer Übertreibung und verblendeter Ideologie.

Die leuchtende Idee der christlichen Liebe muss sich jetzt weltweit und auf allen Ebenen aktiv dem Schatten des Hasses entgegenstellen, ihn eindämmen und vertreiben.

Wir müssen jetzt aktiv eine Feuerschneise der Liebe und der Versöhnung zwischen die überwiegende Mehrzahl der friedfertigen Menschen und die zahlenmäßig wenigen ideologischen Feuerleger und ihre terroristischen Werkzeuge legen.

Ihre Eindämmung durch Machtmittel und das Völkerrecht ist moralisch gerechtfertigt und notwendig, weil nur so die Verbreitung weiteren Hasses und die Vergiftung des zwischenmenschlichen Miteinanders verhindert werden können.

Warum gibt es alle Konflikte und Kriege präzise Planungen für den militärischen Macht- Einsatz aber fast nie Pläne zur Versöhnung zwischen den verfeindeten Menschengruppen ?

Greift nicht unsere tradierte globale Außen- und Friedenspolitik viel zu kurz und wird zwangsläufig scheitern müssen, weil sie am zutiefst menschlichen Wesen des Frieden -Schaffens vorbeigeht und ihr die Seele und der Kern der Versöhnung fehlt?

Warum übertragen wir nicht die positiven Erkenntnisse der erfolgreichen Versöhnung ehemaliger Erbfeinde, beispielsweise die Versöhnung Deutschlands mit seinen heutigen Freunden und Partnern Frankreich und Polen, auch aktiv auf die Konfliktherde von heute zB. in Palästina, Sudan, Kongo, dem Balkan, dem Kaukasus, Korea, Irak oder Pakistan und Indien ?

Insbesondere müssen wir die christliche Friedenspolitik bei der Erziehung unserer Kinder realisieren. Erziehung zum Hass sollte in allen Ländern dieser Welt durch eine Erziehung zur Versöhnung ersetzt werden. Der Einsatz von Kindern und Jugendlichen als Soldaten oder Selbstmordattentäter zeigt den tiefen Fall der sie motivierenden Ideologen und muss auf das Schärfste von allen Verantwortlichen verurteilt werden.

Die Medien tragen in unserer globalen Wissensgesellschaft für die Versöhnung eine besondere Verantwortung, der sie sich nicht im Hinblick auf oberflächliche Unterhaltung oder möglichst hohe Einschaltquoten und mehr Profit entziehen können. Sie dürfen nicht länger nur ein Sprachrohr des Kreislaufs von Hass und Gewalt sein, sondern müssen auch den zarten Pflanzen der Versöhnung mehr Raum einräumen und so die Welt darstellen wie sie wirklich ist: voller Hoffnung.

Mit Versöhnung und Verantwortung sollten wir jetzt als eine neue christlich motivierte aber nicht auf das Christentum beschränkte Friedensbewegung gemeinsam das perpetuum mobile von Hass und Gewalt stoppen und einen neuen Anfang für eine friedlichere Zukunft versuchen.

(Thesen der Arbeitsgruppe Christliche Friedenspolitik, Versöhnung und Toleranz der World Security Network Foundation New York Dezember 2005; www.worldsecuritynetwork.com)

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